Eine Anekdote aus dem Bereich: Erbrecht.

Pflichtteilsrecht gegen den letzten Willen

Eine ältere Frau, verwitwet, hat ihr schwer verdientes und erspartes Vermögen vor vielen Jahren in den Kauf einer kleinen Eigentumswohnung gesteckt.

Der älteste Sohn, mittlerweile über 50 Jahre und unter Betreuung stehend, war mehrfach massiv straffällig, hat erhebliche Drogenprobleme und war deshalb im Gefängnis. Kurz: eine tragisch gescheiterte Existenz. Zuletzt hatte ihn die Mutter mehrere Jahre aufgenommen und zuvor immer wieder mit erheblichen Mitteln aus ihrer geringen Rente unterstützt, also alles Mögliche getan, um ihrem Sohn zu helfen – vergeblich.

Kurz vor ihrem Tod verfasste die Frau ein handschriftliches Testament, in dem sie bestimmte, dass der Sohn nichts mehr bekommen soll. Er solle sich sogar ‚mindestens einige Kilometer‘ von ihr fernhalten. Alleinerbin soll die Tochter sein. Grund für diese drastischen Worte waren mehrere Vorfälle, wonach der drogensüchtige Sohn seiner Mutter gegenüber sogar handgreiflich wurde. Der Sohn kam daraufhin in eine psychiatrische Anstalt. Kurz danach starb die Mutter.

Nun macht der Kostenträger des Heimes, in dem sich der Sohn befindet, den Pflichtteil gegenüber der erbenden Tochter geltend, was letztendlich zum Verlust der Wohnung als einzigem Nachlasswert führen würde.

Reicht nun der letzte Wille der Erblasserin aus – der Sohn solle nichts bekommen – um ein Pflichtteilsrecht auszuschließen? Kann eingewandt werden, der Sohn sei zu Recht und formwirksam als pflichtteilsunwürdig ausgeschlossen worden?


Franz Tradler

Rechtsanwalt

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